Sonntag, September 26, 2004

hallo---?

Hallo? Ist da jemand? Noch nicht mal 3 Tage bin ich von der Insel weg, und ich habe schon das Gefühl, als wäre ich nie da gewesen. Tut doch was, ihr Heidelberger, Berliner, Tübinger, Kölner, Hannoveraner und Sylter!!! Ich bin ganz arg traurig...

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Samstag, September 25, 2004

The day after...

Tja, nun bin ich wieder daheim. Und gestern morgen war ich noch auf Sylt. Dann bin ich auf die Fähre drauf und habe so lange zum Hafen gestarrt, bis man ihn nicht mehr sehen konnte. Die Leute da auf diesem saukalten Deck müssen auch gedacht haben, dass ich mich vielleicht zu sehr in den Leitsatz "...oh, ich hab solche Sehnsucht, ich verliere den Verstand,...ich will zurück nach Westerland..." gesteigert habe, als ich da oben stand und mir konstant bis Romo die Tränchen runtergelaufen sind. Ein Wunder, dass die nicht gefroren sind bei der Kälte! Ich fand es jedenfalls extrem tragisch, dass ich schon da wegmusste. Was heißt, ich fand - ich finde es extrem tragisch, dass die Zeit schon vorbei ist. Auf der Autofahrt musste ich mich echt extrem zusammenreißen, dass meine Augen nicht zufallen - dann war auch noch Stau des öfteren, ach und es gab natürlich auch die obligatorisch Nichts-Blicker-Autofahrer. Jedenfalls waren wir mit der Familiy dann gestern abend gleich noch essen, was auch sehr lecker war, bis auf die Kleinigkeit, dass es sich weigerte, in meinem Körper zu bleiben.
Und habe ich schon erwähnt, dass der Himmel wie eine eingegraute Gardine ist, die frisch aus der Waschmaschine kommt, nicht richtig saubergeworden ist und noch tropft? Supa. In Sylt gibts das auch aber mit blauen Sprenkeln und vor allem Meer. Wieder ein Punkt, der für Fernweh spricht. Der Alltag steht auch schon wieder vor der Tür. Mit anderen Worten - ich bin heute morgen leicht depressiv. Außerdem - wo sollen jetzt meine Erfolgserlebnisse herkommen, wenn meine Beziehung zur Vene so drastisch zum Ende gebracht wurde? Wie soll ich nur ohne die Nadel leben?! *schluchz*
Und ach Mensch. Ich finds grad ganz immens traurig. Und der Bodo ist weg, die Möiki ist weg, der Martin ist weg, kein Kleidungslegastheniker zum spaßigen Hin-und-Her-Dizzen, keine Nora, keine süßen kleinen Omis mit rosa Plüschbademantel mehr, kein Bananenklauen im Speisesaal, keine "Laborsession" mit Martin, keine Erdnussorgien mehr montags, kein....ach je. Das ist so traurig gerade. Ich stell mich jetzt unter die Dusche, vielleicht ist danach nicht mehr alles so schlimm.
Ach! Habe ich schon erwähnt, dass ich trotz übelster Fressorgien eher noch abgenommen habe als zu? Das mit dem "ich nehm bestimmt 20 Kilo zu" streiche ich dann hiermit.
Vielleicht liest das hier ja ein Sylt-Relikt...Wollt ihr wohl das kleine Kätchen auch nicht vergessen...? Ach je, ich werd schon wieder sentimental, ich muss jetzt auf der Stelle Arbeit verrichten, das lenkt ab - waschen, Auto im strömenden Regen aussaugen, jawohl - sowas wird helfen.

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Donnerstag, September 23, 2004

Der letzte Tag...

Tja, nun ist das schon mein letzter Tag, und ich finde das immens traurig. Würde wirklich gerne noch länger bleiben. Gestern hatte ich neben den üblichen auch noch ein paar ganz tolle Erfolgserlebnisse. Ich selbst durfte eine Aszites-Punktion machen! Ich weiß, es ist im Prinzip ja nichts anderes als ein dicke dicke Nadel in den Bauch reinstechen, aber ich fand das wirklich echt total toll...
Gestern abend sind wir - Bodo, Maike, Martin und ich, dann ja noch im Kliffkieker in Wenningstedt gewesen, haben uns zum Abschied mit Claudia Jung, Wolfgang Petri und den Flippers berieseln lassen und noch die letzten Stunden zusammen genossen. Schade, wirklich schade, dass diese Zeit jetzt schon wieder vorbei ist. Ich hoffe echt, dass der Kontakt bestehen bleibt. Danach habe ich auf dem Heimweg die Goldmedallie im 5km-Hasen-Slalom gewonnen. Die Viecher sind echt ziemlich bekloppt, ständig wollen die sich vor mein Auto stürzen. Kamikaze-Hasen, echt.
Die Jugendherberge durfte ich endlich endlich endgültig verlassen, so langsam gehen mir diese Scheiss-Kinder echt auf den Keks. Jeden Morgen irgendwelche Zusammenstöße mit Halbstarken und Dummtussis. Die letzten paar Morgende waren immer die gleichen Tussis zur selben Zeit wie ich in der Dusche. Dass die erst 14 oder so gewesen sein können, sah man nicht unbedingt an der Körperform - Dicktitten sondergleichen. Aber in dem Alter fehlt den Mädels eben noch die Einsicht, dass es nicht schadet, die Pubertätsakne abzudecken und sich den Mega-Busch abzurasieren - naja, das hat sie verraten. Und diese Törtchen haben mich morgends so penetrant angestarrt immer - so wahnsinnig unauffällig durch den Spiegel, oder auch direkt. Das war echt schon unangenehm - mein Gott, man geht halt nicht komplett angezogen duschen. Und gestern morgen haben sies übertrieben - penetrantes doofes Gestarre. Mir lag schon auf der Zunge zu sagen: "Was ist denn?! Wollt ihr auch ein Tattoo und nen Ring im Bauchnabel?! Wollen wirs gleich hier machen mit ner Nadel, Tinte und nem Feuerzeug? Oder soll ich euch beim rasieren helfen?!" Naja, ich hab dann letztendlich nur gefragt, warum sie so dumm glotzen würden, was aber schon reichte, um diese Dummtröten sprachlos zu machen: Ich kann auch noch reden! Unfassbar!
Das muss ich alles nicht mehr ertragen, dem Herrn sei dank. Meine Omis, die sich mittlerweile immer schon freuen, wenn ich zum Blutabnehmen komme, die werde ich schon vermissen.
Überhaupt, der Monat war schon echt gut zum Mütchen kühlen...

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Dienstag, September 21, 2004

AAAAAAAAAAAAAAAAaaaaaaaaaaaaaaaa!

Ich bin gerade nicht einmal in der Lage, mich über meine total schwierige Vene des heutigen Tages zu freuen, in deren winziges Lumen ich eine wunderschöne Kanüle versenken konnte.
Leute, wenn ihr im Begriff seid, den Vertragsanbieter eures Handys zu wechseln oder gar einen neuen abzuschließen: HÄNDE WEG VON E-PLUS!!!
Ich will euch die Einzelheiten ersparen, aber das sind (spätestens nach dem vor wenigen Minuten erfolgten Telefonat mit dem unverfrorensten Mitarbeiter aller Zeiten) die allerletzen Abzocker! Und weil ich mich bei dem Gedanken daran auch schon wieder neu aufrege und jede Minute platzen werde, höre ich am besten auf hier was zu schreiben. Außerdem fliegt draußen gerade die Welt weg und es schifft horizontal am Fenster vorbei.
AAAAAAAaaaaaa!!!

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Montag, September 20, 2004

Was soll ich sagen...

...es schifft hier in Strömen, und zwar pausenlos. Außerdem hats hier laut einer Anzeigetafel 30m/s Wind - wieviel ist das...hm, kann sich jeder mal im Kopf ausrechnen, so irgendwas um die 108 km pro Stunde? Also mit anderen Worten - ja! Klar gehen wir gleich noch mit unserer Sonnencreme an den Strand, machen ein Lagerfeuer, spielen auf unseren Gitarren und grillen Würstchen, bis die Sonne blutrot im Meer versinkt. Son Scheiss.
Wobei - wenn ich daran denke, wo ich morgen in einer Woche bin, dann wirds mir glatt wieder richtig warm. Kurzentschlossen wird es nämlich zu einem Trip nach Lanzarote kommen, eine Woche auf der Vulkaninsel. Ich freu mich schon halb zu Tode.
Hier gibts soweit nichts aufregendes zu berichten. Durfte für das Wochenende die Wohnung meines Assistenzarztes hier benutzen, weil der auf dem Festland war. Welch Erholung, mal nicht mit 5 oder mehr anderen Tussis in einem Zimmer schlafen zu müssen und nicht irgendwelchen ekelhaften Bio-Busch-Trägerinnen-Tanten in der Dusche zu begegnen. Bei der Gelegenheit habe ich dem armen Junggesellen auch gerade mal seine 500 Kilo Dreckwäsche gewaschen und gebügelt, diverse Glühbirnen gewechselt, gestaubsaugt und etliche Einkaufszettel in der ganzen Wohnung verteilt. Der Mann hat nämlich so gut wie nichts, was man zu überleben braucht. Oder sagen wir zum angenehmen Überleben. Also hängt jetzt eine Klebenotiz am Schrank (Kaufe: Bügeleisen, Wäscheleine + Klammern, Magnetdings, damit der Schrank auch mal zubleibt), an den Fenstern (Kaufe: Gardinen!), am Badezimmerspiegel (Kaufe: Mülleimer, Scheuermilch, Duschvorleger), an der Spüle (Kaufe: Mülleimer, Besteckkasten) und so weiter und so weiter........
Naja. Sowas kann ich halt nicht mitansehen. Ja, dann ist es mittlerweile hier in der Klinik auch so weit, dass meine 100% Quote nur noch durch blöde Unfälle gemindert wird - so wie ich heute morgen die Nadel in totaler Schusseligkeit aus der Vene gerissen habe, als sie dort schon wunderbar lag. Das ist halt alles nicht mehr so prickelnd und aufregend.
Heute abend gehts wieder in die Wunderbar, um den schönsten nein wunderbarsten Mann überhaupt zu bestaunen. Und Erdnüsse, bis uns allen schlecht ist. Morgen wollen wir vielleicht noch mal richtig schön Fisch essen gehen. So alle Mann ohne die anderen Praktikanten, die sich nur mit Ihresgleichen und nicht so uncoolen Leuten wie uns abgeben. Von daher bin ich echt total froh, dass ich nur noch bis Donnerstag hierbleibe. Ich finde so eine Spalterei, wo sich manche Leute demonstrativ an einen neuen Tisch setzen, obwohl an dem anderen noch Platz gewesen wäre, einfach total lächerlich. Grüppchenbildung gibts halt nicht nur in der Uni und scheint doch auch etwas von den Personen und nicht nur der Situation abhängig zu sein.
So. Jetzt regnets nicht mehr so doll und das Abendessen rückt in greifbare Nähe.
Habe ich schon erwähnt, dass ich nächsten Dienstag nach Lanzarote fliege? *freu*

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Donnerstag, September 16, 2004

Müde müde müde

So langsam habe ich echt eine sichere Beziehung zwischen mir und der Vene im allgemeinen aufgebaut - wir haben ein sehr spielerisches Verhältnis. Manchmal versucht sie sich vor mir zu verstecken und freut sich riesig, wenn ich sie nicht finde, aber dann fuchtel ich einfach ein bisschen in der Umgebung hin und her und schon habe ich sie. Und dann sind wir wieder vereint...hach wie romantisch unsere Beziehung doch ist!
Ich rede zwar nicht im Fieberwahn, aber ich bin sowas von totmüde gerade, dass bestimmte Hirnareale (z.B. das Anti-Schwall-Areal) bereits abgeschaltet haben. Ich bitte, mir das heute zu verzeihen.
Habe heute wie bereits farbenfroh umschrieben zehnmilliardenmal Blut abgenommen, immer (irgendwann nach bissi in der Haut rumsuchen) erfolgreich - und eben (und das in diesem Zustand) bekam ichs auch noch fertiggebracht, eine total tolle, perfekt sitzende Braunüle zu legen. Ich bin gerade über alle Maßen zufrieden zu mir, weil ich auch noch heute im Ultraschall allerhand schwarze, graue und weiße Flecken als verschiedene Strukturen erkennen konnte. Tja, mir genügen eben die kleinen Erfolgserlebnisse.
Heute abend gehen wir vielleicht zum Martin Video schauen, für irgendwas anderes fehlt mir echt gerade die Kraft und Lust. Vielleicht tue ich jetzt gleich noch mal was für meine Bildung und schaue in ein Buch. Gut, vielleicht auch nicht.

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Dienstag, September 14, 2004

Müde bin ich....

...geh nicht zur Ruh. Bin gerade zu schwach um noch großartig was zu schreiben. Bin totmüde aber zu faul, um vor 8 nochmal nach List zu fahren, wenn ich dann eh nach Rantum zum Bodo fahren muss. Das sind jetzt allerdings noch knapp 3 Stunden, die ich irgendwie totschlagen muss, was mich gerade überaus stresst.
Auf einkaufen gehen in Westerland hab ich auch irgendwie keine Lust, weil ich mir die schönen Sachen dort sowieso nicht leisten kann. Und 3 Stunden muss ich da auch nicht von Schaufenster zu Schaufenster laufen.
Jedenfalls hatte ich am Wochenende ein paar ganz nette Mädels im Zimmer - Sonja und Jutta. Leider sind die heute schon wieder ausgezogen - das hätte sonst echt noch nen Heidenspass gegeben. Wer weiß, was ich jetzt wieder für Baracken in meiner Bude habe, wenn ich später nach Hause komme.
Ansonsten dachte ich bis gerade eben, die Welt wird hier noch untergehen, weils hier sowas von runtergeschifft und gestürmt hat (ja Mami, 103km/h halte ich durchaus für realistisch). Heute morgen gabs Sonnenaufgang mit Platzregen und Gewitter - zumindest war das für ein schönes Foto gut.
Gestern war ja in der Wunderbar nochmal Englischer Abend - das heißt, mal ausnahmsweise keine Schlager - und es gab mehrere tolle Dinge dort. Zum einen wurde der Eimer mit Erdnüssen auf unserem Tisch ständig nachgefüllt, zum anderen war dort natürlich auch wieder der wunderschönste Mann des Universums zu bestaunen. Also das ist der temporale subjektiv schönste Mann im Universum, deshalb schickt mir das Angaffen ja wirklich voll und ganz, um einen schönen Abend zu haben. Darüberhinaus gab es da jetzt aber auch nicht wirklich irgendwas tolles, was ich hier berichten könnte.
Heute habe ich meine erste Kardioversion angeschaut - und ich hoffe inständig, dass der Arzt nur einen Scherz gemacht hat, als er sagte: "So, Sie finden das also interessant? Dann machen Sie das das nächste Mal, würde ich sagen." Das wäre ja unverantwortlich, mir so einen Defibrillator-Dingsbums-Apparat in die Hände zu geben, nein? Für die Nichtmediziner: Bei Kardioversion versucht man elektrisch das Herz aus einem falschen Rythmus zu bringen, damit es neu im richtigen Rythmus "anspringen" kann. Und ich fand das mit dem Defibrillator ja schon ansatzweise Emergency-Room stylisch. Aber mich begeistern ja auch ein paar schwarze und graue Schatten auf einem Ultraschallmonitor, die dann eine Niere sein sollen. Naja, man soll sich ja auch an den kleinen Dingen freuen.
Ach, noch so ein kleines erfreuliches Ding: meine erste arterielle Blutgasanalyse hat geklappt. Schön.
Mittlerweile finde ich es schon fast wieder traurig, dass ich nächste Woche schon hier fertig bin, weil ich jetzt erst so richtig das Gefühl habe, dass ich so langsam mitkomme und etwas mehr verstehe. Ausserdem bin ich echt dankbar für die Gesellschaft von so vielen wirklich lockeren Leuten. Das habe ich in Marburg echt ziemlich vermisst, dass man mal so locker mit Leuten umgehen kann, wie das hier der Fall ist. Ich hoffe, dass ein paar der Bekanntschaften bestehen bleiben - und ich hoffe, dass ich daheim nicht wieder in das Alltags-Loch zurückstürze, aus dem ich mich gerade einigermaßen herausmanövriert habe. Dass manche Dinge einfach nicht so sehr von Belang sind, wie man sich aber hereinsteigern kann, wenn man nicht die genügende Distanz dazu hat. Von daher weiß ich nicht, ob ich wirklich schon an dem Tag zurückfahre, an dem ich hier das Praktikum beende - mal schauen. Das werde ich relativ kurzfristig entscheiden müssen.
So. Und jetzt werde ich mich mal in Bewegung setzen. Kann ja jetzt hier nicht noch ewig rumhocken...

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Montag, September 13, 2004

Nach dem Wochenende...

Am Freitag waren wir beim Martin in Tinnum grillen - ich bin zwar auf der Suche nach seinem Haus die halbe Insel abgefahren, aber gefunden hab ichs schließlich zum Glück doch. Ganz ein schnuckeliges Häuschen mit Terasse, wo wir dann nämlich auch lecker Lachs gegrillt haben. Der Bodo hatte so geile Parmesankartoffeln dabei, es gab Chips, Salat, Süssigkeiten....ach ich hab bestimmt mindestens 20 Kilo mehr auf den Hüften wenn ich wieder daheim bin. Dann sind wie nach 12 noch in die Klinik gefahren, um die Kathrin zu besuchen, die nämlich Nachtdienst und Geburtstag hatte. Ach und der Rene hatte ja auch Nachtdienst, und diese ganzen armen müden Menschen mussten mit Pudding und Süßkram versorgt werden.
Da lag ein Typ auf dem Flur, der sichs mit seinen 22 Jahren so dermaßen mit Valium, Ecstasy und Alkohol besorgt hat, dass er nackt in einem Strandkorb weggedämmert ist. Eltern - seid stolz auf mich - es hätte auch so enden können.
Samstag war doch nix mit Werbegeschenken, da haben wir halt nur ein Poster aus dem Flur geklaut, weil das so schön war. Mittagessen haben sie auch noch mal netterweise rausgerückt. Abends waren wir dann im Kino in "The village" - von wegen Horrorschocker - spart euch den, der ist zwar nett, aber dafür Geld auszugeben lohnt nicht. Danach waren wir nach einigem Hin und Her im Claudias - einer laut Nina "Schwofendisco", worunter ich mir gar nichts vorstellen konnte. Das Logo dieses Ladens ist ein Konterfeit einer Frau, die aussieht wie eine Mischung aus Udo Lindenberg und Karl Lagerfeld. Ein Laden, wo man an der Tür klingeln muss, damit man von einem langhaarigen Typ im Mafiastyle eingelassen wird. Hinter der Theke steht dann Claudia und sieht genauso aus wie das Logo des Ladens - aber wirklich ganz genauso. Schwarzer Lindenberg-Hut, schwarze Jacke und Rollkragenpullover mit einer Goldkette aus den Buchstaben "C-L-A-U-D-I-A", schwarzer Rock mit schwarzen Pömps - nur dass Claudia einen ultratiefen Männerbass hatte, was daran gelegen haben dürfte, dass Claudia zumindest biologisch ein Mann ist. Nun ja, ein paar Korsette-tragende Tunten mit roten Pömps waren ja auch da - und es lief tatsächlich richtig gute 80er Seichtmusik. Und es gab die obligatorische Pornobedienung hinter der Theke, die meiner Vorstellung einer Puffmutter sowas von nahe kam...
Dummerweise war die Dichte an fetten, notgeilen Geldsäcken etwas hoch, und Claudia machte den Fehler auf Schlager umzuschwenken. Das führte zu unserem Verlassen des Ladens.
Wir waren noch beim Mac, aber in die Wunderbar wollte keiner mehr, weils da zu voll war - obwohl...der wunderschönste Mann der Welt arbeitete dort wieder Samstag...die Verlockung war schon groß...
Gestern, also Sonntag hat es nur geschifft. Und wir hatten mindestens Windstärke 8 oder so. Jetzt habe ich aber ganz nette Zimmergenossinnen, eine Sonja und eine Ärztin aus Freising...
Werde hier gerade zur Arbeit genötigt...

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Freitag, September 10, 2004

Nachtrag

Nur noch schnell eine Begebenheit des heutigen Nachmittages - es ereignete sich auf einem Parkplatz. Eine schicksige, postklimakteriale, vermutlich fahrunfähige, "Mein fetter vor Geld stinkender Ehemann hat ein Haus in Kampen"-Schabracke mit ihrer noch viel schabrackigeren Mutter stieg aus ihrem offenen CLK - natürlich offen, denn dafür trägt Frau ja schließlich diese potthässlichen Leder-RalphLauren-Baseball-Kappies. Diese Torte kaufte einen Parkschein und schaffte es tatsächlich, diesen statt hinter die Windschutzscheibe durch einen Lüftungsschlitz in die Motorhaube zu befördern - komisch - wie kann sowas nur passieren, wenn man bei Windstärke 5 einen Parkschein hinter die Scheibe eines offenen Cabrios legen will?! Anstatt einfach mal die blöde Motorhaube aufzumachen und zu schauen, ob das Teil noch zu finden ist - Mordsgeschrei und schließlich schnell die Übereinkunft einfach einen neuen zu kaufen. Die Tante wusste wahrscheinlich noch nicht mal, wo ihre Motorhaube aufgeht.
Was gibt es hier nur für fehlgesteuerte Menschen...

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Donnerstag, September 09, 2004

Das Ende der Woche naht....

Nachdem ich so gut wie keinen Protest gegen meine Einschätzung des Verlassenwordenseins erhalten habe, gehe ich davon aus, dass ich vollkommen recht hatte - alle sind froh, dass ich weg bin. Schön. Es möge sich die Erde auftun und mich verschlucken.
Wie auch immer - für die wenigen treuen Seelen trotzallem der Bericht. Gestern habe ich mit Mrs. Power-Heidelbergerin einen Sixpack platt gemacht, und wir mussten uns von so einem pseudo-intelligenten, pseudo-weltgewandten Lehrer vollschwafeln lassen. Was sich vermutlich auch nur durch das Bier ertragen ließ. Nun ja, trotz wunderschönem Sternenhimmel, irgendwann waren wir müde, und die Verabschiedung von der Heidelberg-Fraktion musste durchgeführt werden.
Hätte ich doch nur mehr Bier gekauft! Denn wäre ich besoffener gewesen, dann wäre ich vielleicht auch trotz dem, was mich in meinem Zimmer erwartete, schnell und friedlich eingeschlummert. Dort nämlich war um 11 Uhr keineswegs Schlafenszeit angesagt, obwohl schon 2 neu hinzugekommene Frauen im Bett lagen und keinen Mucks mehr von sich gegeben haben. Die drei Barbie-Schicksis waren nämlich gerade eben erst auf dem Weg in die Dusche - und gepackt hatten die auch noch keinen Strich. Um 12 habe ich wegen einem kurz bevorstehenden Tobsuchtsanfall (leise unterhalten oder leise packen ging bei den Törtchen ja nicht scheinbar) mal vorsichtig nachgefragt, wann denn die Absicht bestünde, dass das Licht ausgehe, weil es hier Leute gäbe, die früh aufstehen müssten. AAAAaaaa - viel zu viel Konjuktiv für mich, bin doch keine Juristin! Nun ja, jedenfalls kam dann die Antwort "Tja, keine Ahnung..." - worauf ich (um kein Blutbad anzurichten) umgehend das Zimmer verlassen musste.
Keine Ahnung, jedenfalls lag ich irgendwann wieder im Bett und war so müde, dass ich scheinbar irgendwann eingeschlafen bin. Und heute morgen war ich extra laut. So. Hoffentlich sind sie alle wach geworden.
Jetzt hab ich den ganzen Tag schon einen riesigen Hals, weil hier extreme Grüppchenbildung stattfindet im Moment, auf meine Kosten - zumindest empfinde ich das so. Hier passiert auch nichts Aufregendes - die 100. Koloskopie, die 200. Gastroskopie, eine Frau mit Atemnot auf die Intensiv, Stechen und Treffen oder auch nicht, Mittagessen, doofe andere Praktikanten........als so weiter. Werde mal auf Visite mitgehen jetzt.

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Mittwoch, September 08, 2004

Toll!

Ich habe überhaupt gar keine Lust irgendwas über Wochenendaktivitäten oder das gute Wetter oder über meine Trefferquote beim Blutabzapfen zu schreiben - hier herrscht sowas von eine Vernachlässigung meiner Person, dass es deshalb sicher bald wieder anfängt mit regnen! Ausser meinen lieben Eltern und meinem Brüderlein gibt es scheinbar keine Menschen mehr in der Heimat, die mich noch nicht verdrängt haben. Heute ist Scheisstag, und das machts alles nur noch viel schlimmer. Da - ihr treulosen Menschen - jetzt habt ihrs geschafft und mich traurig gemacht...

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Sonntag, September 05, 2004

Lalalalalala.....

Heut ist ein sowas von schöner Tag! Allein schon, weil ich den Ort des Grauens - die Jugendherberge - bis heute abend nicht sehen muss. Und dann lässts sich dort auch aushalten mit Anna und dem Bier, was sie für nachher einkauft. Vielleicht bin ich dann angeduldet genug, um mich nicht mehr über meine Zimmergenossinnen aufzuregen. Gestern abend haben die nämlich den Vogel abgeschossen. Ich komme da rein so um 10 - die zwei alten Schrullen tratschen gemütlich bei voller Zimmerbeleuchtung und offenenem Fenster. Die Decke war einfach nur schwarz vor Schnaken und Stechmücken. Und dann wagte ich es auch noch zu sagen, dass sie ja vielleicht mal das Fenster hätten schließen können - da sagt doch die eine Tante da zu mir: "Ja aber das ist doch Ihr Fenster! Das ist auf Ihrer Seite und Sie haben das schließlich auch heute morgen aufgelassen. Da haben wir doch nix mit zu tun, wir können doch nicht einfach IHR Fenster zumachen!" Ich musste mich sowas von beherrschen. Auf meine Anmerkung, dass man ja wohl in einem Mehrbettzimmer nicht so penibel zwischen dein und mein entscheiden müsse, da hat sie mich schon wieder mit "ja aber wenn Sies doch heute morgen aufgelassen haben..." angepampt - ich stand wirklich ganz kurz vor einer sehr sehr ungehörigen Bemerkung wie "ok, dann drehen Sie aber bitte das nächste Mal, wenn ich MEIN Fenster auflasse, die Deckenleuchten-Glühbirne auf meiner Seite aus!" Das habe ich mir aber dann doch verkniffen. Nun fing diese Schrulle aber auch noch mit der Fensterbank an - ob das meine Unordnung wäre. Als ich ihr sagte, dass das tatsächlich zum Teil meine Sachen wären (waren ja auch auf MEINER Fensterbank), kam sie gleich mit dem Mülleimer angerauscht und fing an, das fremde Zeug da reinzuschmeissen. Die hatte echt einen an der Klatsche. Noch immer im Rausche dieser wunderschönen Nacht bin ich eben mal fragen gegangen, was mein nächstes Zimmer eigentlich für eine Belegungsstärke hat - tja, und ich komme am Montag in ein...............ACHTER-ZIMMER!!!!! Was hat das Schicksal eigentlich gegen mich?!
Naja, wie auch immer. Jedenfalls habe ich am Freitag meinen ersten erfolgreichen und noch dazu wunderschönen Zugang gelegt. Und abends - nachdem ich mich von einer kleinen depressiven Phase erholt hatte - sind wir mit Rene, Andrea und Petra aus der Aufnahme, Maike und Martin etwas essen gegangen. Hätte die feine Möiki gewusst, was danach noch passierte, wäre sie sicher nicht schon heimgegangen. Da der Martin sicherlich mindestens 500mal betonte, dass er drigend tanzen gehen wollte, sind wir in einer angeblich "total tollen" Musikkneipe gelandet. Nunja. Eigentlich war der Altersdurchschnitt vielleicht 17, es kamen nur 80er Jahre Cover-Versionen mit Technobeat, und es erinnerte mich verflucht stark an eine herkömmlichen Bauern-Disco-Kirmes-Irgendwas-Feier. Der Martin hat gleich ein Bunny angetanzt, das die Krankenschwestern dummerweise aus der Notaufnahme kannten, wo sie 2 Wochen vorher mit 2,5 Promille, Krämpfen und Kokain im Blut die Nacht verbracht hatte. *räusper* Super Partie sag ich da nur. Schließlich konnten wir aber Martin loseisen. Wir Mädels waren plötzlich sehr angetan von der Idee, die Jungs in eine Schwulenbar zu schleifen. Nachdem wir sie beinahe davon überzeugt hatten, dass sie tatsächlich schwul wären und heute nämlich ihr Coming-Out feiern wollen würden, sind wir ins "Nanu" gegangen - was tatsächlich so richtig richtig kitschig und tuckig war! Mit blauem Samt, Gold-Engeln, Nackte-Männer-Poster aufm Klo, es lief Village People und Queen - und dann kam auch noch einer von der Aids-Hilfe, der "Extra-reissfeste Kondome" ausgeteilt hat(!!!)... Das war ja so cool da drin! Mein Assistenzarzt und der neue Famulant als angebliches Pärchen in der Schwulenbar! Uns hats so zerissen, als die sich dann auch noch voll da reingesteigert haben. Was hatten wir einen Spass! Danach waren wir noch kurz in der Wunderbar, wos aber in mehreren Beziehungen zu voll war. Außerdem war es ja dann auch schon halb drei - keiner wollte mehr mit dem tanzwütigen Martin ins Rock-Island, ja, und dann sind alle heim. Aber das war lustig.
Gestern war ich mit Maike in der Sansibar, wenig spektakulär bis auf die Flasche Nobel-Parfüm, die im Klo zur freien Bedienung steht. Oder die Kinder, die mit 3 Jahren schon komplett in Lacoste gestylt sind. Oder 8jährige Mädchen mit gezupften Augenbrauen. Oder Kellner, die Fisch und Champagner bis an den Strand tragen. Wenig spektakulär. Ich hab ein Auto fotografiert und hatte deshalb noch die Kamera in der Hand, da meint so ein alter Sack zu mir "Wollen Sie eine Aufnahme von mir machen?" Ich so "Ähhhh, nein, öhm...wieso denn auch?"- "Na weil ich doch prominent bin!". Also irgendwie haben die da echt son bisschen nen Schuss. Aber gut. Ansonsten wenig mehr erlebt gestern. So, klasse - jetzt ziehts auch noch draußen zu. Mal sehen, ob sich Strand noch lohnt...

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Freitag, September 03, 2004

Gut geschlafen?!?!

Ich raste noch aus. Gestern abend war ich noch am Strand mit Rene, Axel und Klaus - drei Assistenzärzten hier. Der neue Famulant war auch mit. Das war ja noch ganz nett, weil ich erstens skandalöse bzw. überraschende Charakterzüge feststellen musste (auch anhand dreckiger Witze, die ich niemals aus deren Munde erwartet hätte), zweitens war es in Teilen recht nett was man da beim 1-2-3, Oberkörper-frei-Volleyballspiel sehen konnte. Blöd war dann, dass die - ehe Meike von ihrem Dienst aus dahin kommen konnte - schon wieder gememmt haben und sich vom Acker machen wollten. Meike sind wir auf dem Weg vom Strand weg begegnet, und die war gelinde gesagt etwas angepisst.
Ach erst noch der Spruch des Abends - der Rene hat die obermiese Haltung, schon einen total krummen Buckel. Das hab ich dem dann auch mal gesagt. "Ne, ich hab das schon seit 18 Jahren, das ist halt so." - "Ja dann ist es doch höchste Zeit mal was daran zu ändern. Wie krumm sollst du denn erst mit 90 sein, Mensch!" - "Naja, wär doch gar nicht so schlecht. Vielleicht ist es dann so weit, dass ich mir selbst einen blasen kann." Mich hats verrissen. Und in dem Gemurmel der anderen kamen dann so Sätze wie "Ja, das wär doch was, man kanns doch selbst sicher am besten" und "Versucht hat das ja wohl schon jeder". Mir ist es schleierhaft, wie ich jemals noch Respekt vor denen haben soll!
Mit der angepissten Meike bin ich dann noch zum Gosch an den Lister Hafen gefahren, wo es dann zu allem Überfluss das berühmt berüchtigte dänische Eis mit Karamel, Krokant und allem drum und dran nicht mehr gab, weil der Laden schon geschlossen hatte. Die Meike war echt kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil so gar nix geklappt hat. Dann kam der Bodo und wir sind in eine total üble Kneipe namens "Piratennest" gegangen, wo sie uns irgendwann mit Tom Astor, Drugstop, den Flippers und Nicole rauszuekeln versuchten. Was auch klappte.
Und dann komm ich gefrustet heim, leg mich ins Bett und was passiert?!? Es gibt eine neue Zimmergenossin - UND DIE SCHNARCHT SO ABARTIG, DASS ICH DIE GANZE VERDAMMTE NACHT KEIN AUGE ZUGEMACHT HABE!!!!! AAAAAAAAAAAAAAaaaaaaa!
Noch nicht mal nur die hat Krach gemacht - draußen vorm Fenster hat als so ein blödes Schaf geblökt - und dann gibt es ausserdem in meinem Zimmer noch Menschen, die es nicht verwerflich finden mitten in der Nacht Licht anzumachen und lautstark Richtung Klo zu stampfen. Ich dachte echt, ich muss ausrasten. Ich hoffe wirklich, dass der Tag trotzdem einigermaßen gut wird, sonst lass ich mich einweisen hier...

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Donnerstag, September 02, 2004

Der Donnerstag ohne Donner

Jetzt scheint doch tatsächlich schon den ganzen Tag die Sonne ohne eine einzige Wolke am Himmel - und ich sitz hier drin.
Aber nicht mehr lange. Wir wollen uns nachher noch am Strand treffen, das heißt, falls der Assistenzarzt hier nicht schon wieder nur eine Finte gelegt hat. Das letzte mal war ja angeblich Treffpunkt Vollmondparty, wo aber dann keiner von denen zu sehen war - das musste ich dem gerade mal auf die Nase binden. Nein, ich würde nicht mit an den Strand gehen aus Prinzip, hab ich gesagt - worauf er nur meinte "Meine Güte, würdest du bitte bitte auch mitkommen?!" - "Ja, ok!" - "Mein Gott, ihr Frauen seid so einfach gestrickt!" - also bis jetzt habe ich immer nur das Gegenteil gehört. Naja, wir haben einen neuen Famulanten, der mir bis auf seinen Kopf inklusive Zauselfrisur eigentlich ganz sympathisch ist, den nehm ich nachher einfach mal mit. Meike und ich gehen später dann vielleicht noch Pizza-Essen oder so - will auch mal was anderes als immer Jugendherbergsessen.
Gestern abend war zwar nicht mehr Sansibar angesagt, dafür war ja bei uns in der Jugendherberge wieder Teenie-Disco. Der gleiche Effekt wie beim letzten Mal, nur dass ich mich diesmal mit Miss-Heidelberger-Schlappmaul und Lexa in den Haupteingang gesetzt habe. Wir haben Bier in eine Apfelschorle-Flasche gefüllt und dabei gemütlich den ganzen Abend über die vorbeikommenden Leute gelästert - ich fands klasse. Die beiden Mädels sind immerhin beide an die 30 Jahre älter als ich, und ich hab trotzdem einen Heidenspass mit denen.
Schlafen war dann nicht, weil erstens Heulen in meinem Zimmer angesagt war - da sind jetzt zwei Schweizerinnen, wo sich die eine bei der anderen bis 12 ausheulen musste. Auf dem Gang haben die Gangster eh bis in die Puppen randaliert, und die Frau in meinem Zimmer hat auch geschnarcht. Da fällt es einem morgends echt schwer mit dem Aufstehen....
Übrigens meine heutige Blutabnehmquote: 5 von 5 Versuchen erfolgreich.

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Mittwoch, September 01, 2004

Der doch noch erfolgreiche Mittwoch

Auch wenns tatsächlich noch den ganzen Morgen runtergeschifft hat - ich hatte zahlreiche Erfolgserlebnisse: von 6 mal Blutabnehmen habe ich auch 6 mal welches bekommen! Das ist mal fast schon eine repräsentative 100% Quote!
Das hat mich dann trotz der fehlenden Beschäftigung am heutigen Tage noch echt am Leben erhalten in meiner Müdigkeit. Jetzt bin ich echt kurz vorm Einschlafen, auf der Station stehe ich eigentlich auch nur noch im Weg - deshalb werde ich gleich verschwinden. Ich will noch ein neues Buch, Parfüm und eine Westerland-Stadtjacke kaufen. Ja und tanken sollte ich auch mal wieder. Weil heute abend will ich ja mit Meike und Bodo mal zur Sansibar fahren - obwohl der eine Patient mit dem Haus in Kampen mir ja schon anvertrauen wollte, dass da vermutlich heute nicht so viel los sein würde. Tja die wissen eben bescheid die Damen und Herren. Vielleicht sind wir lächerliche, mittellose Gaffer, aber wir schämen uns überhaupt nicht dafür.
Bin ja mal gespannt, wenn ich gleich nach Hause komme, ob nicht vielleicht wieder was aus unserem Zimmer verschwunden ist - vielleicht haben sie ja diesmal Souvenirs mitgenommen, ich habe da eine ganze Wäscheleine voll mit Unterwäsche hängen - ich glaube, das würde die Jungs nicht überleben...

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Es schifft!

Es schifft in Strömen! Und wir haben bestimmt schon fast orkanartigen Wind. Es ist zum Kotzen!
Wenigstens meine Zimmergenossinnen sind ein bisschen aufgetaut. Das hing damit zusammen, dass ihnen gestern 70 Euro vermutlich von den Ghetto-Schülern nebenan geklaut wordern sind, als sie kurz das Zimmer aufgelassen hatten. Wie schön, dachte ich mir - gut, dass ich keine Wertsachen in diesem Raum aufbewahre. Jedenfalls habe ich denen dann erstmal Zahnpasta an die Türklinke geschmiert - wenn die Knete schon weg ist und auch vermutlich nie wiederkommen wird, dann kann man die wenigstens ein bisschen ärgern. Das tolle war schließlich, dass der Lehrer von denen bei seinem Rundgang da erstmal reingelangt hat und den Gangstern einen Rieseneinlauf verpasst hat, weil er dachte, dass die Zahnpasta für ihn bestimmt gewesen wäre.
Dann habe ich gestern noch mit der Rugby-Familie und Lexa Stadt-Land-Fluss gespielt und ein Weinchen geleert, das wir aus der Thermoskanne getrunken haben, weil ja Alkohol verboten ist...
Habe ich erwähnt, dass hier draußen gleich die Welt untergeht?

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Dienstag, August 31, 2004

Am Ende des Montags...

Heute war sowas von Scheisstag. Heute war die Blutabnehmquote 50% - will heißen: einmal verstochen, einmal getroffen. Dann bin ich aus mir nicht mehr rekonstruierbaren Gründen erst in eine Tuberkulose-Visite geraten und dann in die Ambulanz. Aus ebenfalls nicht mehr nachvollziehbarem Zufall musste ich auf einmal eine Patienten komplett aufnehmen und deren Aufnahmebogen ausfüllen - was mich bereits etwas überforderte, weil ich das schließlich auch noch nie gemacht habe. Die andere Famulantin rettete dann glücklicherweise wenigstens unsere Mittagspause - danach mussten wir aber plötzlich noch eine Patientin aufnehmen. Und das schlimmste passierte erst noch: wir sollen das ganze morgen früh bei der Besprechung vor allen Ärzten vortragen. Also ich bin ja echt nicht auf den Mund gefallen, aber ich traue mich echt nicht, vor der versammelten Mann(- und Frau)schaft von etwas zu reden, von dem ich keine Ahnung habe und das ich noch nicht mal in ihrer Fachwörter-reichen Sprache umschreiben kann. Und das hat mich so gestresst, dass ich jetzt - gepaart mit dem ekelhaften Regenwetter draussen - sowas von die depressive Phase eröffnen musste, dass mir heute am besten keiner mehr zu nah tritt. Sonst fange ich am Ende noch an zu heulen - wie peinlich wäre das denn!
Außerdem hoffe ich inständig, dass endlich die blöden Tussis bei mir aus dem Zimmer verschwunden oder ab heute nett sind.
Und ich wollte mich noch mit einem Frustkauf für den heutigen Scheisstag entschädigen, aber dazu isses jetzt zu spät. Wenigstens hat Meike mich mit Schokolade gefüttert.

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Montag=Schöner Tag

Die Woche hat gut begonnen. Wenn man von den etwas tragischen Events des Wochenendes absieht - weil da ist wohl noch ein Patient gestorben. Seine Frau saß die ganze Zeit bei ihm im Zimmer, und als irgendwann eine Schwester ins Zimmer kam, da war der Mann nur dummerweise schon ganz kalt und auch bereits etwas länger von dieser Welt geschieden - nur dass die Frau das leider gar nicht mitbekommen hatte und aus allen Wolken fiel!
Ansonsten habe ich am Montag morgen erfahren, was passiert, wenn man die Jugendherbergs-Tür in den "Sperrstunden" zu lange auflässt - hinter mir sind noch ein paar Törtchen raus gegangen, die das System des Türöffners alleine nicht geblickt haben; tja, und die haben die Tür dann offen gelassen, was zu einem Alarm mit dem Lautstärkepegel eines waschechten Feueralarms geführt hat. So möchte ich auch mal morgends um halb sieben geweckt werden!
In der Klinik habe ich es endlich mal wieder geschafft jemandem Blut abzunehmen - 2 von 2 Versuchen sind mir geglückt! ;-)) Das war schonmal die Gute-Laune-Garantie für den Tag.
Ein Patient hatte starke Schmerzen wegen seiner Niere und musste ständig von Untersuchung zu Untersuchung, wofür ich dann abgestellt wurde. Dafür hat mir der Oberarzt aber auch sein cooles Sauerstoff-Sättigungs-Mess-Maschinchen gegeben. Leider hat er später daran gedacht, es zurückzuverlangen.
Wieder einmal wurde ich ausgezählt, weil mich der von mir erkannte Schatten einer Niere im Ultraschall so begeistern kann wie jemand anderen ein Lottogewinn. Und die putzigen kleinen Herzklappen erst! Und im CT eine Nierenzyste nachvollziehenkönnen! Sowas macht mich eben glücklich - und entschädigte mich dann beinahe auch für das verpasste Mittagessen.
Der Patient mit der Niere verriet mir später, als es ihm besser ging und nachdem er mich bereits zum Dank irgendwann mal zum Abendessen einladen wollte, dass er ein Haus in Kampen hat (wieviel Geld muss man haben, wenn man sich ein Haus in Kampen leisten kann?). Das würde ja zur Zeit leer stehen, und ich sollte doch einfach da schlafen, wenn ich keine Lust mehr auf Jugendherberge hätte. Als ich dankend ablehnte, bestand er darauf, mir wenigstens ein Fahrrad besorgen zu dürfen. Ein anderer Patient verteilt die ganze Zeit schon Trüffelpralinen ans Personal und erzählt immer, dass er ein Haus in Kampen und sogar zwei auf Gran Canaria hat. WAS SIND DAS BITTE ALLES FÜR GELDSÄCKE?!
Nun ja. Jedenfalls hatte ich heute das Gefühl, dass ich wirklich was zu tun hatte. Und es hat echt Spass gemacht. Weniger Spass machte es, als ich in List ankam und entdecken durfte, dass in der Jugendherberge Milliarden von Schulklassen angekommen sind, die man mal aus dem Ghetto freilassen wollte. Wirklich! Dragan und Alder pur - Tussis, die aus einem Lil Kim Video ausgebrochen sind - kleine lächerliche, pseudo-pubertierende Würstchen. Und dass ich mit 22 Jahren scheinbar noch so frisch aussehe, dass ich mich offenbar als gleichaltrig eingestuft von den eben genannten lächerlichen Würstchen (die vermutlich noch kein einziges Haar am Zipfel haben) lippenleckend und mit Griff an den Sack begutachten lassen muss - das beruhigt mich nicht wirklich! Und dass ich es mit meinem 22 Jahren auch noch erleben muss, dass so ein magerer zukünftiger Ghetto-Gangster DreiKäseHoch zu mir "Na, Puppe?" sagt - das finde ich schon beinahe zum Weinen.
In meinem Zimmer liegen zwei absolute Tussis - die sagen noch nicht einmal hallo. Und die andere Frau, die labert mich nur mit ihren Knieoperationen voll, seit sie mitgekriegt hat, was ich auf Sylt mache. Ich will meine Ex-Mitbewohnerinnen zurück!!!
Abends wollte ich mit Meike auf die verheissungsvolle Vollmondparty - erstens hat es geregnet, zweitens sah man deshalb keinen Vollmond, drittens waren kaum Leute da. Wir glauben schon an eine Pechsträhne - aber Mittwoch fahren wir zus Sansibar, vielleicht haben wir da mehr Spass.
Ansonsten habe ich Sonntag abend noch mit Debbie, Kerstin, Lexa und der Rugby-Familie (dazu wann anders vielleicht mal mehr) gespielt - jawohl, wir haben einen spießigen Spieleabend mit Rotwein gemacht! Und ich hab nur verloren. Wie war das - Pech im Spiel, Glück in der Liebe?
Vielleicht, hier im Krankenhaus muss ich nämlich so langsam aufpassen, dass ich mich mit meinen "wenn Sie wieder gesund sind, dann gehen wir zwei mal ganz romantisch am Strand spazieren. Ich sags auch Ihrer Frau nicht. Na, ist das kein Anreiz zum Gesundwerden?"- Floskeln nicht übernehme - auch der beste Terminkalender ist irgendwann voll... ;-)

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Sonntag, August 29, 2004

Sonn(en)tag

Die Sonne scheint, die Schafe blökten bereits heute morgen vor meinem Fenster um die Wette, und die Nacht war trotz Ausschlafmöglichkeit wegen 5 anderen Aufstehenden schon um 7 zu Ende. Um mich damit abzufinden, dass ich ja doch nicht mehr länger schlafen würde können, habe ich mich mit einem illegalen Jugendherbergs-Frühstück entschädigt. Merkt ja doch kein Mensch, wenn da einer mit drin sitzt, der gar kein Frühstück bezahlt hat.
Jetzt sitze ich im Krankenhaus am Computer, weil ich unbedingt schauen wollte, ob die krebskranke Patientin noch da ist. Sie ist nicht mehr da - gestern abend gestorben. Ihr 16 jähriger Sohn ist noch bis morgen in Norwegen und weiß noch nicht einmal, dass sie hier im Krankenhaus war. Der denkt, dass sie einfach einen schönen Urlaub verlebt. Tragisch irgendwie. Wenigstens hat sie noch einmal das Meer gesehen.
Mit ihrer Mutter habe ich mich gestern total gut unterhalten - die erträgt das ganze nämlich auch deshalb so tapfer, weil sie sich mit ihren fast 70 Jahren nochmal hemmungslos verliebt hat. Ihr Enkel habe sie gefragt, ob sie und ihr Freund sich denn noch küssen würden - darauf habe sie geantwortet: "Das kannst du glauben, und zwar mit Zungenschlag! Und das trotz Gebiss!"
Das ist echt cool hier oben auf der Insel, ich lerne ständig jemand kennen. Ist ganz schön, wenn man weiß, dass man auch fernab aller bekannten und teilweise starren Sozialkontakte noch in der Lage ist, ganz allein über die Runden zu kommen und Leute kennenzulernen.
Gestern abend war ich mit Meike und Bodo (der heißt echt so!) in Westerland am Strand, weil die angeblich so tolle "Strandbarparty" nur von den Ü30 Leuten besucht war. War ganz nett, aber nächste Woche gehen wir auf die Flughafen-Hangar-Party. Das ist schon beschlossene Sachen, weil ein bisschen Action muss schon sein an einem Samstagabend.
Heute werde ich einfach mal nach Hörnum fahren, ein schönes Krabbenbrötchen essen und am Strand laufen. In old tradition quasi.
Hasta manana.

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Samstag, August 28, 2004

Wochenende....

Heute ist Samstag. Der gestrige Tag war eigentlich doch noch ganz schön. Nachmittags habe ich endlich noch einmal 2 Stunden in Ruhe geschlafen und dann gab es auch noch leckere Scholle zum Abendessen. Toll! Mit der hab ich mich dermaßen überfressen, dass sogar das obligatorische Nachtisch-Nogger nicht mehr reinpassen wollte. Mein komplettes Zimmer ist spazieren gegangen, und als ich irgendwann aus dem Fenster geschaut habe, wo naemlich der tollste Sonnenuntergang ueberhaupt zu sehen war, hab ich mich geärgert, dass ich nicht
mitgegangen bin.
Was macht die Kaethe - springt schnell ins Car und heizt (fast Schafe überfahrend) an den Weststrand, wo sie gerade noch die letzten in rotes Licht getauchten Wolkenberge erblickt. Sehr schön. Da habe ich dann auch noch Barbara, meine Zimmergenossin aus Stuttgart, mit ihrer Strand-Sauna Bekanntschaft Alex getroffen, die mich baten, doch mal in der Jugendherberge nach Wein zu fragen. Was ich auch tat und die Antwort erhielt, "Alkohol ist strikt verboten, es gibt zwar welchen in den verschlossenen Gruppenleiterraeumen, aber da haben auch nur eben die Gruppenleiter Zugang zu." Auf meine Frage, ob denn die Gruppenleiter volljähriger seien als ich und die anderen erwachsenen Gaeste, zuckte der arme Zivi nur die Schultern. Nun gut, Alex (die Frau aus der Strandsauna) ist im wirklichen Leben Spendeneintreiberin u.a. für die Diakonie und hatte daher bald Wein aus irgendeinem Gruppenleiter herauserpresst. Dann haben wir uns mit dem Wein in den Mondschein gesetzt und ueber alles mögliche geschwätzt. Und das, obwohl die Frauen mindestens 20 Jahre älter sind als ich.
Heute morgen hab ich mich mit den beiden südtiroler Famulantinnen, die leider heute abfahren, und zwei Pflegepraktikanten zum Frühstück getroffen - wenn die Klinik das schon bezahlt, dann wird das auch mitgenommen! Der Onkologie-Vortrag erwies sich als ausgesprochen praktisch, weil ich dank der 10000000 Werbegeschenke jetzt die naechsten 10 Jahre keine Blöcke, keine Kugelschreiber und keine Haftnotizen mehr kaufen muss. Sicher war es auch interessant,
obwohl natuerlich einfach Fachwissen gefehlt hat, um die Vorträge richtig zu verstehen.
Aber es ging auch um Prävention, und auch wenn ich jetzt nicht mit Zahlen um mich werfen will, dann lasst euch gesagt sein: esst mehr Obst, raucht nicht, trinkt euch nicht ins Delirium, macht Sport, esst wenig Fleisch - ich weiß, wer hätte das gedacht, aber ihr würdet mir trotzdem nicht glauben, wieviel diese banalen Dinge dazu beitragen, dass man keinen Krebs bekommt. Die Zahlen waren echt erschreckend.
Zum Thema Krebs - die Patientin an der Schwelle zum Jenseits, mit der ich vorgestern erst am Meer war, die sich so sehr gefreut hatte und fast wieder etwas gesünder ausgesehen hat - die habe ich eben besucht, und sie kann kaum sprechen vor Erschöpfung. Sie wacht noch nicht einmal richtig auf. Ihre Mutter sitzt die ganze Zeit an ihrem Bett und muss das hilflos mitansehen.
Meike, die Pflegepraktikantin, und ich waren dann eben nach dem Vortrag noch auf dem organisierten "kleinen" bayerischen Imbiss (wie gesagt, es wird mitgenommen was geht!) und haben uns anständig mit Weisswürschteln und Rinderbraten den Bauch vollgeschlagen. Vielleicht gehen wir heute abend noch an den Strand. Sansibar und Hangar-Party im Flughafen heben wir uns für wann anders auf. Möglicherweise sehen wir dann ja auch den Dieter, der ist ja auch mit Estefania auf Sylt. *totlach*
Nun ja, in diesem Sinne gehe ich jetzt mal an den Strand!

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Freitag, August 27, 2004

Der Freitag...

...fing alleine schon deshalb mal doof an, weil ich "heute nacht" (was bei meinem momentanen Biorythmus gegen halb eins bedeutet) zu spät erst nach Hause kam und dann auch noch von einer im Schlaf brabbelnden Frau in meinem Zimmer angeschrien wurde, wobei sich der Satz "Mir reichts, das kann doch nicht sein, so 'ne Scheisse - ach du kannst mich mal..." ständig wiederholte. Nun ja. Heute morgen hat es dann auch noch in Strömen geregnet, was das Aufstehen nicht unbedingt erleichtert hat.
Wenn das Blutabnehmen dann mal klappt, sag ich am besten Bescheid *räusper*. Ansonsten habe ich heute erfahren, dass hier letztes Jahr eine wohl jedem wohlbekannte Erkrankung unter dem Personal herumgegangen ist. Dies wundert mich nicht, weil hier die Hygiene lange nicht so groß geschrieben wird wie zum Beispiel in Marburg. Handschuhe sieht man hier selten woanders als in ihrem Karton. Sehr beruhigend, wahrscheinlich habe ich alles von Tuberkulose bis hin zu Hepatitis C wenn ich wieder daheim bin.
Heute mache ich gar nichts mehr ausser Dösen und Lesen, morgen gibt es dann hier den Vortrag über Onkologie. Da gehe ich noch einmal mit den Famulantinnen hin, die leider auch morgen abfahren und sehr nett waren. Außerdem gibt es auch Samstags Frühstück, und das werde ich wohl ausnutzen.
Montag hab ich tatsächlich was schönes vor, in List ist am Weststrand eine Vollmondparty (ist überhaupt Vollmond?) - jedenfalls hat mir einer der Ärzte hier gesagt, dass ein paar Kollegen dort hingehen, und ich habe angekündigt, mitzukommen.
So, jetzt heim ratzen, oder vielleicht doch Fischbrötchen? Alle hier sagen, der angeblich frische Nordseefisch inklusive Nordseekrabben sind genauso konserviert wie das Meeresgetier, was man in ganz Deutschland kaufen kann. Ich hoffe, dass sie sich alle irren. Meine Illusion lass ich mir nicht zerstören :-(

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Donnerstag, August 26, 2004

Heute ist Donnerstag...

Tja, heute ist ein weniger erfolgreicher Tag. Wahrscheinlich war das der Preis für das bessere Wetter. Heute habe ich aufgrunddessen, dass ich ein Schisser bin, keinmal erfolgreich Blut abgenommen - ich bohre halt nicht gerne.
Infolgedessen traute ich mich natürlich auch nicht, den Leuten dann auch noch eine Braunüle zu legen (man bedenke, das hat auch noch nie vorher geklappt). Was solls, ich werde die Ärzte darum bitten, mich in Zukunft dazu zu zwingen.
Ansonsten habe ich wieder eine Darmspiegelung mitverfolgt, diesmal bei einer Oberschickse mitten in den Wechseljahren. Ich fand, die Frau hat für ihren niedrigen Puls ein bisschen zu viele Schmerzensschreie losgelassen. Die andere zuschauende Famulantin meinte aber danach, dass sie im Gegenteil fände, dass sie die von mir als "Schreie" deklarierten Laute im Vergleich zu anderen Patienten doch schon eher fast als Stöhnen bezeichnen würde...Gut, ich will der Frau jetzt mal nicht unterstellen, dass sie die Darmspiegelung angemacht hat, aber es klang tatsächlich ein bisschen so...
Dann sind mir ein paar Verbindungen innerhalb der Klinikhirarchie aufgefallen. Besser Spannungen zwischen bestimmten Kollegen oder Statusdenken von anderen. Der Chef mag Privatpatienten sicher nicht ohne Grund länger da behalten. Naja, ist ein wenig mit Vorsicht zu genießen, nicht so charmant und sympathisch wie auf den ersten Blick gedacht jedenfalls.
Gleich werde ich vielleicht noch mit der Frau, die schon auf der Schwelle zum Jenseits steht, versuchen bis zum Meer zu laufen. Sie will es ja doch so gerne noch einmal sehen. Und heute abend gehe ich mit ein paar anderen Famulanten etwas trinken in Westerland...

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Was am Mittwoch passierte....

...war nicht viel. Nunja. Wer haette das gedacht. Von
drei Blutentnahmen sind mir zwei geglueckt, und beim
dritten Patienten hats nach den anderen ebenso
erfolglosen Famulanten auch erst der Stationsarzt
geschafft. Kein Beinbruch also. Dann das uebliche -
Visite gleich mehrmals am Tag. Nichts interessantes,
ausser dass ein paar Patienten langsam anfangen, mit
mir warm zu werden. Ist doch schoen wenn man sehen
kann, dass sich ein trauriges Gesicht aufhellt, wenn
man den Raum betritt.
Ansonsten habe ich gestern die ganzen Sachen gemacht,
die eigentlich jeder machen koennte, nur dass sie nicht
jeder machen darf. Zich intravenoese Spritzen - was ja
nun wirklich keine Kunst ist, wenn der Patient sowieso
schon eine Kanuele im Arm hat. Und einen Tropf an und
abhängen kann ja nun auch jeder. Den sogenannten
Schellong-Test habe ich gemacht (den auch wieder jeder
Laie hinkriegen koennte) - eine suesse kleine 92-jaehrige
Omi mit Nagellack, Seidenblueschen, Bernsteinklunkern,
Lippenstift und perfekt gestylter Frisur war das
Opfer. Da man aber bei diesem Test sowieso nichts
anderes macht, als alle zwei Minuten Blutdruck und
Puls zu messen - nach dem Aufstehen und dann wieder im
Liegen - war das kein Problem. Die andere Frau, mit
der wir diesen Test machen sollten, war dagegen schon
eher ein Problem. Ein Monsterweib, wuerde ich mal
sagen, mit einem gigantischen Nabelbruch - ihr Gewicht
verhinderte leider, dass wir ihr ueberhaupt aus dem
Bett helfen konnten. Arme Menschen liegen da schon.
Ein Mann, bei dem gerade Darmkrebs mit Metastasen in
Leber und Lunge festgestellt wurde, faengt immer
beinahe zu weinen an, wenn sich die Visite wieder bei
ihm verabschiedet. Eine sehr junge Patientin mit ihren
vielleicht 45 Jahren hat Metastasen in der Leber,
deshalb den ganzen Bauch voll mit Fluessigkeit und ist
gelb am ganzen Koerper. Die sagt immer, dass sie doch
nur noch mal das Meer sehen moechte. Schon relativ
tragisch.
Um uns schoeneren Themen zuzuwenden - gestern hab ich
zum ersten Mal einer Darmspiegelung beiwohnen duerfen.
Der arme Mann musste bald eine halbe Stunden in seinem
Kittelchen da liegend auf den Arzt warten. In der Zeit
hab ich mit den MTAs ueber Wohnungen auf Sylt
getratscht und festgestellt, dass das kein Mensch
bezahlen kann, hier auch nur eine Wohnung zu mieten.
Naja, jedenfalls tat mir der Patient dann ja doch
leid, weil irgendwie das Betaeubungsmittel nicht so
schnell gewirkt hat, wie es sollte. *raeusper* Er hats
aber ueberstanden...
Gestern war ich auch noch im Lister Hafen, weil dort
das russische Schulschiff "Mir" lag. Ein Dreimaster,
der aber unspektakulaer weit draussen lag. Und ich
wollte mich dann auch nicht mit den 100000000
sensationsgeilen Leuten darum schlagen, den Matrosen
mal die Hand zu schuetteln und ein Foto von ihnen zu
machen. Wozu auch. Da bin ich lieber nochmal an den
Weststrand gefahren, wo dann endlich einmal gewohntes
Sylt-Feeling aufkam. So ein Sonnenuntergang auf der
Insel ist eben einfach schoen, und deshalb fahr ich da
heute wieder hin.
So, und jetzt gehe ich fruehstuecken!






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Mittwoch, August 25, 2004

Die ersten Schritte der ersten Famulatur....

Heute ist Mittwoch, und es ist noch nicht einmal 7 Uhr. Unfassbar, dass ich Nachtschwärmer schon so früh wach und noch dazu fit bin - aber gefeiert bzw. "gesumpft" hab ich ja auch nicht.
Eigentlich bin ich für diese wenigen Minuten am Computer relativ dankbar, weil ich so meine Ruhe habe. In der Jugendherberge gibts da nämlich reichlich wenig von, um nicht zu sagen gar keine. Ich wurde auf ein 6-Bett-Zimmer verteilt, das ich zwischendurch sogar noch einmal wechseln muss. In diesem Zimmer ist leider mindestens eine bislang noch nicht identifizierte Schnarcherin, die den Nachtschlaf sehr unerholsam gestalten kann, besonders wenn man sowieso schon wieder um 6 Uhr aufstehen muss. Außerdem ist immer eine von meinen Zimmerkumpaninnen "daheim" - das heißt: Null Privatsphäre. Ich will mal lieber gar nicht erst anfangen von den Milliarden von Schulklassen, die zur Zeit in der Jugendherberge untergebracht sind. Die hatten gestern auch noch Teenie-Disco. Ich habe ein paar 10-jährige "Girls" beobachten dürfen, wie sie sich geschminkt haben in ihren ultrakurzen Röckchen bzw. eher breiten Gürteln. In dem Alter verwendet man aber anscheinend vorwiegend noch Lila und Hellblau. Der pinke Lipliner darf auch in dieser Altersklasse nicht fehlen. Nunja. Die Disco ging jedenfalls nach der Sperrstunde (ab 23 Uhr schließen alle Türen) noch munter auf den Zimmern weiter - warum in aller Welt bauen die eigentlich keine schallisolierten Wände bzw. Böden in Jugendherbergen ein?! Immerhin schmeckt das Essen gut und man muss sich vor den Duschen nicht ekeln.
Tja, und hier in der Klinik bin ich das unwissende Küken. Außerdem habe ich bereits jetzt - auch wenn ich mich sogar noch verlaufe und alles chaotisch finde - den leisen Verdacht, dass 1. hier nicht viel zu lernen ist und 2. die innere Medizin nicht das ist, was ich später mal machen möchte.
Die Ärzte und überhaupt das gesamte Personal sind sehr nett, aber trotzdem gibt es hier einfach nicht viel zu sehen. Ok, es gibt ein Schlaflabor, dessen leitende Ärztin auch gestern versucht hat, die Grundlagen der Schlafmedizin rüberzubringen. Man kann auch beim Ultraschall zuschauen und selber einmal schallen. Es werden Darm- und Magenspiegelungen durchgeführt. Gestern hab ich meine erste Aszites-Patientin kennengelernt, sie zwar nicht selbst punktiert aber dafür 4 Liter Flüssigkeit aus ihrem Bauch abgelassen. Naja, Leute bei der Visite abhorchen geht natürlich auch, Blutabnehmen ist sowieso Famulanten-Aufgabe, aber das wars auch schon. Man muss sich alles selbst organisieren, und das Organisierbare ist nicht viel.
Ach, hab ich erwähnt, dass ich zumindest Kittel und Hosen gestellt bekommen habe? Und die Klinik bezahlt ein gigantisches Frühstück (Buffet mit allem drum und dran) sowie ein ebenso tolles Mittagessen? Überhaupt, der Klinik ist ein Kurhaus angeschlossen - ich dachte, ich sehe nicht richtig - Parkettboden, bonzige Rezeption, Stationsgänge auf denen statt Plastikstühlen edle Korbstühle stehen, überall frische Blumen, dezentes Licht - es ist ein Wahnsinn, wieviel mehr Gesundheit und Wohlbefinden sich ein wohlhabender Mensch leisten kann...
So, und jetzt gehts erstmal zum Frühstück!

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