Nini's Welt

Es schifft!

Es schifft in Strömen! Und wir haben bestimmt schon fast orkanartigen Wind. Es ist zum Kotzen!

Wenigstens meine Zimmergenossinnen sind ein bisschen aufgetaut. Das hing damit zusammen, dass ihnen gestern 70 Euro vermutlich von den Ghetto-Schülern nebenan geklaut wordern sind, als sie kurz das Zimmer aufgelassen hatten. Wie schön, dachte ich mir – gut, dass ich keine Wertsachen in diesem Raum aufbewahre. Jedenfalls habe ich denen dann erstmal Zahnpasta an die Türklinke geschmiert – wenn die Knete schon weg ist und auch vermutlich nie wiederkommen wird, dann kann man die wenigstens ein bisschen ärgern. Das tolle war schließlich, dass der Lehrer von denen bei seinem Rundgang da erstmal reingelangt hat und den Gangstern einen Rieseneinlauf verpasst hat, weil er dachte, dass die Zahnpasta für ihn bestimmt gewesen wäre.

Dann habe ich gestern noch mit der Rugby-Familie und Lexa Stadt-Land-Fluss gespielt und ein Weinchen geleert, das wir aus der Thermoskanne getrunken haben, weil ja Alkohol verboten ist…

Habe ich erwähnt, dass hier draußen gleich die Welt untergeht?

Am Ende des Montags…

Heute war sowas von Scheisstag. Heute war die Blutabnehmquote 50% – will heißen: einmal verstochen, einmal getroffen. Dann bin ich aus mir nicht mehr rekonstruierbaren Gründen erst in eine Tuberkulose-Visite geraten und dann in die Ambulanz. Aus ebenfalls nicht mehr nachvollziehbarem Zufall musste ich auf einmal eine Patienten komplett aufnehmen und deren Aufnahmebogen ausfüllen – was mich bereits etwas überforderte, weil ich das schließlich auch noch nie gemacht habe. Die andere Famulantin rettete dann glücklicherweise wenigstens unsere Mittagspause – danach mussten wir aber plötzlich noch eine Patientin aufnehmen. Und das schlimmste passierte erst noch: wir sollen das ganze morgen früh bei der Besprechung vor allen Ärzten vortragen. Also ich bin ja echt nicht auf den Mund gefallen, aber ich traue mich echt nicht, vor der versammelten Mann(- und Frau)schaft von etwas zu reden, von dem ich keine Ahnung habe und das ich noch nicht mal in ihrer Fachwörter-reichen Sprache umschreiben kann. Und das hat mich so gestresst, dass ich jetzt – gepaart mit dem ekelhaften Regenwetter draussen – sowas von die depressive Phase eröffnen musste, dass mir heute am besten keiner mehr zu nah tritt. Sonst fange ich am Ende noch an zu heulen – wie peinlich wäre das denn!

Außerdem hoffe ich inständig, dass endlich die blöden Tussis bei mir aus dem Zimmer verschwunden oder ab heute nett sind.

Und ich wollte mich noch mit einem Frustkauf für den heutigen Scheisstag entschädigen, aber dazu isses jetzt zu spät. Wenigstens hat Meike mich mit Schokolade gefüttert.

Montag=Schöner Tag

Die Woche hat gut begonnen. Wenn man von den etwas tragischen Events des Wochenendes absieht – weil da ist wohl noch ein Patient gestorben. Seine Frau saß die ganze Zeit bei ihm im Zimmer, und als irgendwann eine Schwester ins Zimmer kam, da war der Mann nur dummerweise schon ganz kalt und auch bereits etwas länger von dieser Welt geschieden – nur dass die Frau das leider gar nicht mitbekommen hatte und aus allen Wolken fiel!

Ansonsten habe ich am Montag morgen erfahren, was passiert, wenn man die Jugendherbergs-Tür in den “Sperrstunden” zu lange auflässt – hinter mir sind noch ein paar Törtchen raus gegangen, die das System des Türöffners alleine nicht geblickt haben; tja, und die haben die Tür dann offen gelassen, was zu einem Alarm mit dem Lautstärkepegel eines waschechten Feueralarms geführt hat. So möchte ich auch mal morgends um halb sieben geweckt werden!

In der Klinik habe ich es endlich mal wieder geschafft jemandem Blut abzunehmen – 2 von 2 Versuchen sind mir geglückt! ;-) ) Das war schonmal die Gute-Laune-Garantie für den Tag.

Ein Patient hatte starke Schmerzen wegen seiner Niere und musste ständig von Untersuchung zu Untersuchung, wofür ich dann abgestellt wurde. Dafür hat mir der Oberarzt aber auch sein cooles Sauerstoff-Sättigungs-Mess-Maschinchen gegeben. Leider hat er später daran gedacht, es zurückzuverlangen.

Wieder einmal wurde ich ausgezählt, weil mich der von mir erkannte Schatten einer Niere im Ultraschall so begeistern kann wie jemand anderen ein Lottogewinn. Und die putzigen kleinen Herzklappen erst! Und im CT eine Nierenzyste nachvollziehenkönnen! Sowas macht mich eben glücklich – und entschädigte mich dann beinahe auch für das verpasste Mittagessen.

Der Patient mit der Niere verriet mir später, als es ihm besser ging und nachdem er mich bereits zum Dank irgendwann mal zum Abendessen einladen wollte, dass er ein Haus in Kampen hat (wieviel Geld muss man haben, wenn man sich ein Haus in Kampen leisten kann?). Das würde ja zur Zeit leer stehen, und ich sollte doch einfach da schlafen, wenn ich keine Lust mehr auf Jugendherberge hätte. Als ich dankend ablehnte, bestand er darauf, mir wenigstens ein Fahrrad besorgen zu dürfen. Ein anderer Patient verteilt die ganze Zeit schon Trüffelpralinen ans Personal und erzählt immer, dass er ein Haus in Kampen und sogar zwei auf Gran Canaria hat. WAS SIND DAS BITTE ALLES FÜR GELDSÄCKE?!

Nun ja. Jedenfalls hatte ich heute das Gefühl, dass ich wirklich was zu tun hatte. Und es hat echt Spass gemacht. Weniger Spass machte es, als ich in List ankam und entdecken durfte, dass in der Jugendherberge Milliarden von Schulklassen angekommen sind, die man mal aus dem Ghetto freilassen wollte. Wirklich! Dragan und Alder pur – Tussis, die aus einem Lil Kim Video ausgebrochen sind – kleine lächerliche, pseudo-pubertierende Würstchen. Und dass ich mit 22 Jahren scheinbar noch so frisch aussehe, dass ich mich offenbar als gleichaltrig eingestuft von den eben genannten lächerlichen Würstchen (die vermutlich noch kein einziges Haar am Zipfel haben) lippenleckend und mit Griff an den Sack begutachten lassen muss – das beruhigt mich nicht wirklich! Und dass ich es mit meinem 22 Jahren auch noch erleben muss, dass so ein magerer zukünftiger Ghetto-Gangster DreiKäseHoch zu mir “Na, Puppe?” sagt – das finde ich schon beinahe zum Weinen.

In meinem Zimmer liegen zwei absolute Tussis – die sagen noch nicht einmal hallo. Und die andere Frau, die labert mich nur mit ihren Knieoperationen voll, seit sie mitgekriegt hat, was ich auf Sylt mache. Ich will meine Ex-Mitbewohnerinnen zurück!!!

Abends wollte ich mit Meike auf die verheissungsvolle Vollmondparty – erstens hat es geregnet, zweitens sah man deshalb keinen Vollmond, drittens waren kaum Leute da. Wir glauben schon an eine Pechsträhne – aber Mittwoch fahren wir zus Sansibar, vielleicht haben wir da mehr Spass.

Ansonsten habe ich Sonntag abend noch mit Debbie, Kerstin, Lexa und der Rugby-Familie (dazu wann anders vielleicht mal mehr) gespielt – jawohl, wir haben einen spießigen Spieleabend mit Rotwein gemacht! Und ich hab nur verloren. Wie war das – Pech im Spiel, Glück in der Liebe?

Vielleicht, hier im Krankenhaus muss ich nämlich so langsam aufpassen, dass ich mich mit meinen “wenn Sie wieder gesund sind, dann gehen wir zwei mal ganz romantisch am Strand spazieren. Ich sags auch Ihrer Frau nicht. Na, ist das kein Anreiz zum Gesundwerden?”- Floskeln nicht übernehme – auch der beste Terminkalender ist irgendwann voll… ;-)

Sonn(en)tag

Die Sonne scheint, die Schafe blökten bereits heute morgen vor meinem Fenster um die Wette, und die Nacht war trotz Ausschlafmöglichkeit wegen 5 anderen Aufstehenden schon um 7 zu Ende. Um mich damit abzufinden, dass ich ja doch nicht mehr länger schlafen würde können, habe ich mich mit einem illegalen Jugendherbergs-Frühstück entschädigt. Merkt ja doch kein Mensch, wenn da einer mit drin sitzt, der gar kein Frühstück bezahlt hat.

Jetzt sitze ich im Krankenhaus am Computer, weil ich unbedingt schauen wollte, ob die krebskranke Patientin noch da ist. Sie ist nicht mehr da – gestern abend gestorben. Ihr 16 jähriger Sohn ist noch bis morgen in Norwegen und weiß noch nicht einmal, dass sie hier im Krankenhaus war. Der denkt, dass sie einfach einen schönen Urlaub verlebt. Tragisch irgendwie. Wenigstens hat sie noch einmal das Meer gesehen.

Mit ihrer Mutter habe ich mich gestern total gut unterhalten – die erträgt das ganze nämlich auch deshalb so tapfer, weil sie sich mit ihren fast 70 Jahren nochmal hemmungslos verliebt hat. Ihr Enkel habe sie gefragt, ob sie und ihr Freund sich denn noch küssen würden – darauf habe sie geantwortet: “Das kannst du glauben, und zwar mit Zungenschlag! Und das trotz Gebiss!”

Das ist echt cool hier oben auf der Insel, ich lerne ständig jemand kennen. Ist ganz schön, wenn man weiß, dass man auch fernab aller bekannten und teilweise starren Sozialkontakte noch in der Lage ist, ganz allein über die Runden zu kommen und Leute kennenzulernen.

Gestern abend war ich mit Meike und Bodo (der heißt echt so!) in Westerland am Strand, weil die angeblich so tolle “Strandbarparty” nur von den Ãœ30 Leuten besucht war. War ganz nett, aber nächste Woche gehen wir auf die Flughafen-Hangar-Party. Das ist schon beschlossene Sachen, weil ein bisschen Action muss schon sein an einem Samstagabend.

Heute werde ich einfach mal nach Hörnum fahren, ein schönes Krabbenbrötchen essen und am Strand laufen. In old tradition quasi.

Hasta manana.

Wochenende….

Heute ist Samstag. Der gestrige Tag war eigentlich doch noch ganz schön. Nachmittags habe ich endlich noch einmal 2 Stunden in Ruhe geschlafen und dann gab es auch noch leckere Scholle zum Abendessen. Toll! Mit der hab ich mich dermaßen überfressen, dass sogar das obligatorische Nachtisch-Nogger nicht mehr reinpassen wollte. Mein komplettes Zimmer ist spazieren gegangen, und als ich irgendwann aus dem Fenster geschaut habe, wo naemlich der tollste Sonnenuntergang ueberhaupt zu sehen war, hab ich mich geärgert, dass ich nicht

mitgegangen bin.
Was macht die Kaethe – springt schnell ins Car und heizt (fast Schafe überfahrend) an den Weststrand, wo sie gerade noch die letzten in rotes Licht getauchten Wolkenberge erblickt. Sehr schön. Da habe ich dann auch noch Barbara, meine Zimmergenossin aus Stuttgart, mit ihrer Strand-Sauna Bekanntschaft Alex getroffen, die mich baten, doch mal in der Jugendherberge nach Wein zu fragen. Was ich auch tat und die Antwort erhielt, “Alkohol ist strikt verboten, es gibt zwar welchen in den verschlossenen Gruppenleiterraeumen, aber da haben auch nur eben die Gruppenleiter Zugang zu.” Auf meine Frage, ob denn die Gruppenleiter volljähriger seien als ich und die anderen erwachsenen Gaeste, zuckte der arme Zivi nur die Schultern. Nun gut, Alex (die Frau aus der Strandsauna) ist im wirklichen Leben Spendeneintreiberin u.a. für die Diakonie und hatte daher bald Wein aus irgendeinem Gruppenleiter herauserpresst. Dann haben wir uns mit dem Wein in den Mondschein gesetzt und ueber alles mögliche geschwätzt. Und das, obwohl die Frauen mindestens 20 Jahre älter sind als ich.

Heute morgen hab ich mich mit den beiden südtiroler Famulantinnen, die leider heute abfahren, und zwei Pflegepraktikanten zum Frühstück getroffen – wenn die Klinik das schon bezahlt, dann wird das auch mitgenommen! Der Onkologie-Vortrag erwies sich als ausgesprochen praktisch, weil ich dank der 10000000 Werbegeschenke jetzt die naechsten 10 Jahre keine Blöcke, keine Kugelschreiber und keine Haftnotizen mehr kaufen muss. Sicher war es auch interessant,

obwohl natuerlich einfach Fachwissen gefehlt hat, um die Vorträge richtig zu verstehen.

Aber es ging auch um Prävention, und auch wenn ich jetzt nicht mit Zahlen um mich werfen will, dann lasst euch gesagt sein: esst mehr Obst, raucht nicht, trinkt euch nicht ins Delirium, macht Sport, esst wenig Fleisch – ich weiß, wer hätte das gedacht, aber ihr würdet mir trotzdem nicht glauben, wieviel diese banalen Dinge dazu beitragen, dass man keinen Krebs bekommt. Die Zahlen waren echt erschreckend.

Zum Thema Krebs – die Patientin an der Schwelle zum Jenseits, mit der ich vorgestern erst am Meer war, die sich so sehr gefreut hatte und fast wieder etwas gesünder ausgesehen hat – die habe ich eben besucht, und sie kann kaum sprechen vor Erschöpfung. Sie wacht noch nicht einmal richtig auf. Ihre Mutter sitzt die ganze Zeit an ihrem Bett und muss das hilflos mitansehen.

Meike, die Pflegepraktikantin, und ich waren dann eben nach dem Vortrag noch auf dem organisierten “kleinen” bayerischen Imbiss (wie gesagt, es wird mitgenommen was geht!) und haben uns anständig mit Weisswürschteln und Rinderbraten den Bauch vollgeschlagen. Vielleicht gehen wir heute abend noch an den Strand. Sansibar und Hangar-Party im Flughafen heben wir uns für wann anders auf. Möglicherweise sehen wir dann ja auch den Dieter, der ist ja auch mit Estefania auf Sylt. *totlach*

Nun ja, in diesem Sinne gehe ich jetzt mal an den Strand!

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Spielplatz in Nha trang Der Schuhhimmel in Hoi An

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