Nini's Welt

Toll!

Ich habe überhaupt gar keine Lust irgendwas über Wochenendaktivitäten oder das gute Wetter oder über meine Trefferquote beim Blutabzapfen zu schreiben – hier herrscht sowas von eine Vernachlässigung meiner Person, dass es deshalb sicher bald wieder anfängt mit regnen! Ausser meinen lieben Eltern und meinem Brüderlein gibt es scheinbar keine Menschen mehr in der Heimat, die mich noch nicht verdrängt haben. Heute ist Scheisstag, und das machts alles nur noch viel schlimmer. Da – ihr treulosen Menschen – jetzt habt ihrs geschafft und mich traurig gemacht…

Lalalalalala…..

Heut ist ein sowas von schöner Tag! Allein schon, weil ich den Ort des Grauens – die Jugendherberge – bis heute abend nicht sehen muss. Und dann lässts sich dort auch aushalten mit Anna und dem Bier, was sie für nachher einkauft. Vielleicht bin ich dann angeduldet genug, um mich nicht mehr über meine Zimmergenossinnen aufzuregen. Gestern abend haben die nämlich den Vogel abgeschossen. Ich komme da rein so um 10 – die zwei alten Schrullen tratschen gemütlich bei voller Zimmerbeleuchtung und offenenem Fenster. Die Decke war einfach nur schwarz vor Schnaken und Stechmücken. Und dann wagte ich es auch noch zu sagen, dass sie ja vielleicht mal das Fenster hätten schließen können – da sagt doch die eine Tante da zu mir: “Ja aber das ist doch Ihr Fenster! Das ist auf Ihrer Seite und Sie haben das schließlich auch heute morgen aufgelassen. Da haben wir doch nix mit zu tun, wir können doch nicht einfach IHR Fenster zumachen!” Ich musste mich sowas von beherrschen. Auf meine Anmerkung, dass man ja wohl in einem Mehrbettzimmer nicht so penibel zwischen dein und mein entscheiden müsse, da hat sie mich schon wieder mit “ja aber wenn Sies doch heute morgen aufgelassen haben…” angepampt – ich stand wirklich ganz kurz vor einer sehr sehr ungehörigen Bemerkung wie “ok, dann drehen Sie aber bitte das nächste Mal, wenn ich MEIN Fenster auflasse, die Deckenleuchten-Glühbirne auf meiner Seite aus!” Das habe ich mir aber dann doch verkniffen. Nun fing diese Schrulle aber auch noch mit der Fensterbank an – ob das meine Unordnung wäre. Als ich ihr sagte, dass das tatsächlich zum Teil meine Sachen wären (waren ja auch auf MEINER Fensterbank), kam sie gleich mit dem Mülleimer angerauscht und fing an, das fremde Zeug da reinzuschmeissen. Die hatte echt einen an der Klatsche. Noch immer im Rausche dieser wunderschönen Nacht bin ich eben mal fragen gegangen, was mein nächstes Zimmer eigentlich für eine Belegungsstärke hat – tja, und ich komme am Montag in ein……………ACHTER-ZIMMER!!!!! Was hat das Schicksal eigentlich gegen mich?!

Naja, wie auch immer. Jedenfalls habe ich am Freitag meinen ersten erfolgreichen und noch dazu wunderschönen Zugang gelegt. Und abends – nachdem ich mich von einer kleinen depressiven Phase erholt hatte – sind wir mit Rene, Andrea und Petra aus der Aufnahme, Maike und Martin etwas essen gegangen. Hätte die feine Möiki gewusst, was danach noch passierte, wäre sie sicher nicht schon heimgegangen. Da der Martin sicherlich mindestens 500mal betonte, dass er drigend tanzen gehen wollte, sind wir in einer angeblich “total tollen” Musikkneipe gelandet. Nunja. Eigentlich war der Altersdurchschnitt vielleicht 17, es kamen nur 80er Jahre Cover-Versionen mit Technobeat, und es erinnerte mich verflucht stark an eine herkömmlichen Bauern-Disco-Kirmes-Irgendwas-Feier. Der Martin hat gleich ein Bunny angetanzt, das die Krankenschwestern dummerweise aus der Notaufnahme kannten, wo sie 2 Wochen vorher mit 2,5 Promille, Krämpfen und Kokain im Blut die Nacht verbracht hatte. *räusper* Super Partie sag ich da nur. Schließlich konnten wir aber Martin loseisen. Wir Mädels waren plötzlich sehr angetan von der Idee, die Jungs in eine Schwulenbar zu schleifen. Nachdem wir sie beinahe davon überzeugt hatten, dass sie tatsächlich schwul wären und heute nämlich ihr Coming-Out feiern wollen würden, sind wir ins “Nanu” gegangen – was tatsächlich so richtig richtig kitschig und tuckig war! Mit blauem Samt, Gold-Engeln, Nackte-Männer-Poster aufm Klo, es lief Village People und Queen – und dann kam auch noch einer von der Aids-Hilfe, der “Extra-reissfeste Kondome” ausgeteilt hat(!!!)… Das war ja so cool da drin! Mein Assistenzarzt und der neue Famulant als angebliches Pärchen in der Schwulenbar! Uns hats so zerissen, als die sich dann auch noch voll da reingesteigert haben. Was hatten wir einen Spass! Danach waren wir noch kurz in der Wunderbar, wos aber in mehreren Beziehungen zu voll war. Außerdem war es ja dann auch schon halb drei – keiner wollte mehr mit dem tanzwütigen Martin ins Rock-Island, ja, und dann sind alle heim. Aber das war lustig.

Gestern war ich mit Maike in der Sansibar, wenig spektakulär bis auf die Flasche Nobel-Parfüm, die im Klo zur freien Bedienung steht. Oder die Kinder, die mit 3 Jahren schon komplett in Lacoste gestylt sind. Oder 8jährige Mädchen mit gezupften Augenbrauen. Oder Kellner, die Fisch und Champagner bis an den Strand tragen. Wenig spektakulär. Ich hab ein Auto fotografiert und hatte deshalb noch die Kamera in der Hand, da meint so ein alter Sack zu mir “Wollen Sie eine Aufnahme von mir machen?” Ich so “Ähhhh, nein, öhm…wieso denn auch?”- “Na weil ich doch prominent bin!”. Also irgendwie haben die da echt son bisschen nen Schuss. Aber gut. Ansonsten wenig mehr erlebt gestern. So, klasse – jetzt ziehts auch noch draußen zu. Mal sehen, ob sich Strand noch lohnt…

Gut geschlafen?!?!

Ich raste noch aus. Gestern abend war ich noch am Strand mit Rene, Axel und Klaus – drei Assistenzärzten hier. Der neue Famulant war auch mit. Das war ja noch ganz nett, weil ich erstens skandalöse bzw. überraschende Charakterzüge feststellen musste (auch anhand dreckiger Witze, die ich niemals aus deren Munde erwartet hätte), zweitens war es in Teilen recht nett was man da beim 1-2-3, Oberkörper-frei-Volleyballspiel sehen konnte. Blöd war dann, dass die – ehe Meike von ihrem Dienst aus dahin kommen konnte – schon wieder gememmt haben und sich vom Acker machen wollten. Meike sind wir auf dem Weg vom Strand weg begegnet, und die war gelinde gesagt etwas angepisst.

Ach erst noch der Spruch des Abends – der Rene hat die obermiese Haltung, schon einen total krummen Buckel. Das hab ich dem dann auch mal gesagt. “Ne, ich hab das schon seit 18 Jahren, das ist halt so.” – “Ja dann ist es doch höchste Zeit mal was daran zu ändern. Wie krumm sollst du denn erst mit 90 sein, Mensch!” – “Naja, wär doch gar nicht so schlecht. Vielleicht ist es dann so weit, dass ich mir selbst einen blasen kann.” Mich hats verrissen. Und in dem Gemurmel der anderen kamen dann so Sätze wie “Ja, das wär doch was, man kanns doch selbst sicher am besten” und “Versucht hat das ja wohl schon jeder”. Mir ist es schleierhaft, wie ich jemals noch Respekt vor denen haben soll!

Mit der angepissten Meike bin ich dann noch zum Gosch an den Lister Hafen gefahren, wo es dann zu allem Ãœberfluss das berühmt berüchtigte dänische Eis mit Karamel, Krokant und allem drum und dran nicht mehr gab, weil der Laden schon geschlossen hatte. Die Meike war echt kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil so gar nix geklappt hat. Dann kam der Bodo und wir sind in eine total üble Kneipe namens “Piratennest” gegangen, wo sie uns irgendwann mit Tom Astor, Drugstop, den Flippers und Nicole rauszuekeln versuchten. Was auch klappte.

Und dann komm ich gefrustet heim, leg mich ins Bett und was passiert?!? Es gibt eine neue Zimmergenossin – UND DIE SCHNARCHT SO ABARTIG, DASS ICH DIE GANZE VERDAMMTE NACHT KEIN AUGE ZUGEMACHT HABE!!!!! AAAAAAAAAAAAAAaaaaaaa!

Noch nicht mal nur die hat Krach gemacht – draußen vorm Fenster hat als so ein blödes Schaf geblökt – und dann gibt es ausserdem in meinem Zimmer noch Menschen, die es nicht verwerflich finden mitten in der Nacht Licht anzumachen und lautstark Richtung Klo zu stampfen. Ich dachte echt, ich muss ausrasten. Ich hoffe wirklich, dass der Tag trotzdem einigermaßen gut wird, sonst lass ich mich einweisen hier…

Der Donnerstag ohne Donner

Jetzt scheint doch tatsächlich schon den ganzen Tag die Sonne ohne eine einzige Wolke am Himmel – und ich sitz hier drin.

Aber nicht mehr lange. Wir wollen uns nachher noch am Strand treffen, das heißt, falls der Assistenzarzt hier nicht schon wieder nur eine Finte gelegt hat. Das letzte mal war ja angeblich Treffpunkt Vollmondparty, wo aber dann keiner von denen zu sehen war – das musste ich dem gerade mal auf die Nase binden. Nein, ich würde nicht mit an den Strand gehen aus Prinzip, hab ich gesagt – worauf er nur meinte “Meine Güte, würdest du bitte bitte auch mitkommen?!” – “Ja, ok!” – “Mein Gott, ihr Frauen seid so einfach gestrickt!” – also bis jetzt habe ich immer nur das Gegenteil gehört. Naja, wir haben einen neuen Famulanten, der mir bis auf seinen Kopf inklusive Zauselfrisur eigentlich ganz sympathisch ist, den nehm ich nachher einfach mal mit. Meike und ich gehen später dann vielleicht noch Pizza-Essen oder so – will auch mal was anderes als immer Jugendherbergsessen.

Gestern abend war zwar nicht mehr Sansibar angesagt, dafür war ja bei uns in der Jugendherberge wieder Teenie-Disco. Der gleiche Effekt wie beim letzten Mal, nur dass ich mich diesmal mit Miss-Heidelberger-Schlappmaul und Lexa in den Haupteingang gesetzt habe. Wir haben Bier in eine Apfelschorle-Flasche gefüllt und dabei gemütlich den ganzen Abend über die vorbeikommenden Leute gelästert – ich fands klasse. Die beiden Mädels sind immerhin beide an die 30 Jahre älter als ich, und ich hab trotzdem einen Heidenspass mit denen.

Schlafen war dann nicht, weil erstens Heulen in meinem Zimmer angesagt war – da sind jetzt zwei Schweizerinnen, wo sich die eine bei der anderen bis 12 ausheulen musste. Auf dem Gang haben die Gangster eh bis in die Puppen randaliert, und die Frau in meinem Zimmer hat auch geschnarcht. Da fällt es einem morgends echt schwer mit dem Aufstehen….

Ãœbrigens meine heutige Blutabnehmquote: 5 von 5 Versuchen erfolgreich.

Der doch noch erfolgreiche Mittwoch

Auch wenns tatsächlich noch den ganzen Morgen runtergeschifft hat – ich hatte zahlreiche Erfolgserlebnisse: von 6 mal Blutabnehmen habe ich auch 6 mal welches bekommen! Das ist mal fast schon eine repräsentative 100% Quote!

Das hat mich dann trotz der fehlenden Beschäftigung am heutigen Tage noch echt am Leben erhalten in meiner Müdigkeit. Jetzt bin ich echt kurz vorm Einschlafen, auf der Station stehe ich eigentlich auch nur noch im Weg – deshalb werde ich gleich verschwinden. Ich will noch ein neues Buch, Parfüm und eine Westerland-Stadtjacke kaufen. Ja und tanken sollte ich auch mal wieder. Weil heute abend will ich ja mit Meike und Bodo mal zur Sansibar fahren – obwohl der eine Patient mit dem Haus in Kampen mir ja schon anvertrauen wollte, dass da vermutlich heute nicht so viel los sein würde. Tja die wissen eben bescheid die Damen und Herren. Vielleicht sind wir lächerliche, mittellose Gaffer, aber wir schämen uns überhaupt nicht dafür.

Bin ja mal gespannt, wenn ich gleich nach Hause komme, ob nicht vielleicht wieder was aus unserem Zimmer verschwunden ist – vielleicht haben sie ja diesmal Souvenirs mitgenommen, ich habe da eine ganze Wäscheleine voll mit Unterwäsche hängen – ich glaube, das würde die Jungs nicht überleben…

Bilder

Paar am Hoan Kiem See in Hanoi Phnom Penh am Abend

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